Welche Auswirkungen hat der Skitourismus auf alpine Kaltzeitrelikte und Klimarefugien in den Hochalpen?
Originalpublikation: Ski resorts threaten climate refugia for high-elevation biodiversity under current and future conditions in the Alps
Die Studie in Kürze
Skipisten in den Alpen liegen vielfach unmittelbar neben jenen Flächen, die kälteangepassten Hochgebirgsarten als Klimarefugien dienen. Mit dem Klimawandel verschieben sich beide nach oben.
Forschungsziel & Methodik
Räumliche Überlagerung der alpenweiten Skipistenflächen samt einer Pufferzone von einem Kilometer mit der Karte der Klimarefugien, die aus Verbreitungsmodellen hochalpiner Vogelarten abgeleitet wurde. Ergänzend wurde die künftige Eignung von Flächen für Skipisten anhand von Hangneigung, Sonneneinstrahlung, Jahresmitteltemperatur und Jahresniederschlag modelliert und auf vier Klimaprojektionen für den Zeitraum 2041 bis 2070 übertragen.
Empirische Ergebnisse & Datenbasis
Die Skipisten der Alpen umfassen 489.119 Hektar bei einer mittleren Höhenlage von 1.792 Metern. Einschließlich Pufferzone überlappen sie derzeit 11 % der Klimarefugien, das entspricht 160.739 Hektar. Jede dritte bestehende Piste steht damit in möglichem Konflikt mit einem Refugium. Die für Skipisten geeigneten Flächen verschieben sich um 271 bis 609 Höhenmeter nach oben, wodurch ihre Überlappung mit den Refugien von heute 57 % auf 69 bis 72 % steigt.
Implikationen für die Praxis (Skigebiete & Wintersportler)
Für Raumplanung und Umweltverträglichkeitsprüfungen: Neuerschließungen in Hochlagen treffen dieser Analyse zufolge genau jene Flächen, die kälteangepasste Arten künftig benötigen. Die Autoren plädieren dafür, Klimarefugien bei der Planung von Pisten und Infrastruktur ausdrücklich zu berücksichtigen.