Welchen Einfluss haben Schnee- und Wetterbedingungen auf das Kreuzbandriss-Risiko bei Freizeitskifahrern?
Originalpublikation: Impact of Environmental Factors on the ACL Injury Risk in Recreational Alpine Skiing
Die Studie in Kürze
Fall-Kontroll-Studie aus einer Tiroler Sportklinik: Schnee- und Pistenverhältnisse hängen deutlich stärker mit dem Kreuzbandrisiko zusammen als das Wetter.
Forschungsziel & Methodik
Retrospektive, nach Geschlecht und Könnensstufe gematchte Fall-Kontroll-Studie über sechs aufeinanderfolgende Wintersaisons von 2014/15 bis 2019/20 in einer österreichischen Sportklinik mit hohem Patientenaufkommen. 392 Skifahrerinnen und Skifahrer mit per MRT gesicherter Kreuzbandruptur wurden 392 unverletzten Kontrollpersonen gegenübergestellt, die überwiegend am selben Tag im selben Skigebiet befragt wurden. Erhoben wurden per Fragebogen Wetterlage, Schneeverhältnisse, gefühlte Temperatur und Pistenschwierigkeit.
Empirische Ergebnisse & Datenbasis
Neben dem Alter erwiesen sich fünf Umgebungsfaktoren als eigenständige Prädiktoren. Gegenüber sulzigem oder weichem Schnee war das Risiko bei Neuschnee 10,5-fach, bei griffigem Schnee 7,8-fach und bei eisigen Verhältnissen 12,4-fach erhöht. Eine als sehr kalt oder kalt empfundene Temperatur ging mit einem 1,6-fachen Risiko einher, das Fahren auf leichten blauen Pisten mit einem 6,9-fachen. Die Wetterlage selbst zeigte keinen signifikanten Effekt. Die Verletzten waren im Mittel fünf Jahre älter als die Kontrollpersonen.
Implikationen für die Praxis (Skigebiete & Wintersportler)
Für Skifahrer: Nicht die schwierige Piste bei schlechtem Wetter, sondern harter, eisiger oder frischer Schnee auf leichtem Gelände fällt in dieser Untersuchung als Risikokonstellation auf. Die Autoren empfehlen, die Schneeverhältnisse im Tagesverlauf bewusst wahrzunehmen und die Fahrweise daran anzupassen.